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Eine kurze Liebesgeschichte
Von Björn Helbig

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Von Jona Gold



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DIALOG IV

Von Jona Gold

Los, sag was. Schau nicht, rede. Sieh nicht zur Seite. Lass Deine Augen nicht feucht werden. Mach den Mund auf. Deine Schultern hängen herunter. Ich mag das nicht. Will das nicht. Sag was. Dreh Dich nicht um. Geh nicht weg. Tu das nicht. Dein Schmerz ist mein Schmerz. Deine Gedanken sind meine Gedanken.

Wir sind in einem Raum. Draußen die Welt. Drinnen… unser selbst erschaffenes Universum. Oder eine Annäherung. An das, was wir meinten zu schaffen. Eine Kunstwelt. Brüchig, fragil. Wir lachen darüber, zuweilen. Wir haben Angst. Dann und wann. Wir träumen. Träumen uns in denselben Traum. Wir treten durch zwei verschiedene Türen ein. Treffen uns. Sehen uns an. Berühren uns. Spüren uns.

Ein Geräusch erklingt. Ein leises Donnern. Wir drehen uns um, kehren uns den Rücken zu. Gehen zurück zu unseren Türen. Halten sie zu. Es wird lauter. Es schwillt an. Es… es will herein. Wir stemmen uns gegen die Türen. Der Druck wird stärker. Wir halten dagegen. Wir kämpfen. Der Lärm… Er soll verschwinden. Wir… Wir halten es nicht mehr aus. Die Türen schlagen uns entgegen. Schleudern uns in die Mitte des Raumes. Wir prallen aneinander. Nehmen uns in die Arme. Halten uns fest. Kauern uns auf den Boden. Berühren uns, spüren uns. Beruhigen uns. Vergessen den Schmerz.

Bleib stehen. Bleib hier. Bleib bei mir. Wir müssen uns finden. Müssen uns erfinden. Erneut. Es ist unsere Aufgabe. Gib nicht auf. Sieh mich an. Nein, sieh mich nicht an. Verwandle Dich, werde etwas anderes. Nein, nicht so. Werde mir nicht fremd. Bleib hier.

Ich halte Dich zurück. Zerre an Deinem Arm. Zu fest. Du schreist mich an. Ich schreie auch. Keine Wörter. Sie sind nicht mehr da. Alle aufgebraucht. Keine Fragen mehr, keine Antworten. Keine Aussagen. Keine Wörter. Nur Silben ohne Sinn. Aber laut, so laut. Wir schreien. Schreien gegen den Lärm. Schreien gegen die Wände des Raumes. Sie vibrieren. Sie wackeln vor unseren Augen. Ich nehme deine Hand. Drücke fest zu. Wir beiden. Wir… Wir schreien. Unsere Kehlen brennen. Unsere Gesichter sind rot. Unsere Lungen schmerzen als würden sie zerreißen. Die Wände…. Die Wände bekommen Risse. Sie zerbrechen vor unseren Augen. Stürzen ein. Der Raum löst sich in Stücke auf. Dahinter… Dunkelheit. Wir schreien. Steine fallen uns entgegen. Wir weichen aus. Der Raum verschwindet. Dahinter das Universum. Oder eine Annäherung. Reste des Raumes fliegen durchs All. Wir hören auf zu schreien. Keuchen. Drehen uns um. Wir stehen inmitten einer Ruine. Über uns Sterne. Kein Wind. Keine Luft.

Stille. Einfach Stille. Es ist nicht nichts, denn Du bist da. Es ist etwas. Etwas, das sich formt, sich verwandelt. Es rinnt wie Sand durch meine gespreizten Finger. Es wärmt mein Gesicht. Es löscht meinen Durst. Es streicht über mein Gesicht. Es ist kühl und angenehm. Es macht mich müde. Es lässt mich schlafen. Endlich schlafen. Unendlich schlafen. Bleib hier. Bleib für immer.

Freiburg, Januar 2009